Israelis züchten Hohlköpfe und Giftzwerge

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Jerusalem, 20. Mai 2008 – Zwischen 100 und 450 Dollar kostet ein Kilo Morcheln, auf französisch Morilles genannt oder auch Marrachen, Morels und Spugnoli , ein extrem seltener Fungus (Pilz) und die reine Gaumenfreude für Feinschmecker. Die Pilze werden vor allem im Frühling nahe Bäumen geerntet. Weltweit stehen im Jahr etwa 150 Tonnen dieser Pilze zur Verfügung. Sie werden vor Allem von Afghanistan, Indien, der Türkei, Pakistan und Nepal exportiert. Die Nachfrage ist groß. In den USA gebe es eine regelrechte „Morchel-Manie” sagt Dr. Segula  Mutzafi von der „Wissensakademie des Oberen Galiläa” in der nordisraelischen Stadt Kirjat Schmone. Ihrem Forscherteam ist es erstmals gelungen, vorläufig nur im Labor, die extrem seltenen und entsprechend teuren Pilze zu züchten.
Es stellt sich heraus, dass vier Morchel-Arten auch in Israel vorkommen, die Gelbe und die Schwarze Sorte, wobei beide geschmacklich gleichwertig seien. Einige Pilze wachsen in dichter Vegetation, andere wiederum in pflanzenarmen Gegenden wie an Straßenrändern und auf Baustellen.
Der Zeitung Haaretz erzählte Mutzafi, dass das Züchten der Morcheln ein sehr teurer und langer Prozess sei. Viele Forscher in der Welt versuchten, die teuren Pilze im Labor zu züchten. Neben den israelischen Forschern sei das bisher nur einem Amerikaner gelungen.
Der israelische Chefkoch Chaim Tibi kam ganz aufgeregt zu dem Labor in Ober-Galiläa angereist, als das Gerücht der erfolgreichen Zucht auch ihn erreichte. Der Zeitung erklärte er: „Dieser Pilz ist unglaublich, sehr vornehm, lecker, aromatisch und sehr passend zu Fleischgerichten. Nach Israel gelangen nur getrocknete Morcheln, aber die sind nicht das Wahre. In meiner Küche erlaube ich nur Dinge, die leben und aus Galiläa stammen.”
Die Forschungsergebnisse zur Zucht von Morcheln sollen im kommenden Monat bei einem Kongress im Industriezentrum Tefen, ebenfalls im Norden Israels gelegen, vorgestellt werden. Doch Mutzafi denkt schon über ihr nächstes Projekt nach. Bei Erfolg dürfte das weltweit noch größere Schlagzeilen machen: Trüffel züchten. Mutzafi sagt: „Morcheln sind zwar tolle Pilze. Aber in der Oberliga gibt es nur Trüffel. Viele versuchen schon, diese extrem seltenen und vom Aussterben bedrohten Pilze zu züchten. Wem das gelingt, würde Milliardär werden.”
Das Internet-Lexikon Wikipedia liefert für Morcheln folgende anregende Definition: „Die Morchel ist ein zur Klasse der Schlauchpilze gehörender Pilz, dessen Fruchtkörper sich in einen hohlen Stiel und einen hohlen bräunlichen Hut gliedert. Für den Namen gibt es zwei Herleitungen: wegen des dunklen Kopfes von vulgärlat. mauricula, „kleine Mohrin”, sowie von mittelhochdeutsch morhel, was „kleine Möhre” bedeutet.” Ein Fachlexikon beschreibt Morcheln als „schwarzer, fast hässlicher, spitzkegeliger Hohlkopf mit sogenannten Hutwaben”, und weiter unten auch als „ockerbraunen Giftzwerg”.
Es sei angemerkt, dass Morcheln im rohen Zustand giftig seien und gekocht werden müssten, um ohne Lebensgefahr genossen werden zu können. Eine ähnliche Pilzart führe zu einer „Blutauflösung”.
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