Die Nahostresolution des Quartetts Hintergrund

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Jerusalem, 27. Juni 2009 – Eine umgehende Lösung des Nahostkonflikts brennt dem Quartett (UN, USA, EU und Russland) mehr in den Fingern als andere Konflikte in der Welt, angefangen mit Iran, von Kriegen und Völkermord in Afrika ganz zu schweigen. Der UN-Generalsekretär, Außenminister, Hochkommissare und Vermittler trafen sich im italienischen Trieste, um erneut die UNO-Resolutionen der letzten 40 Jahre, Visionen und Straßenkarten zu „bestätigen“. In einer gemeinsamen Erklärung sprachen sie sich für die Errichtung eines palästinensischen Staates aus und forderten Friedensverhandlungen.
Die Erklärung erweist sich als politische Pflichtübung und nicht als neuer Aktionsplan für einen Frieden in Nahost. Die UNO-Resolution 242, unmittelbar nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 verabschiedet, nachdem Israel Territorien von Syrien und Ägypten erobert hatte, sowie die von Jordanien und Ägypten besetzten „palästinensischen“ Gebiete, sieht einen israelischen Rückzug „aus Territorien“ vor, nicht „allen Territorien“. Damit verknüpft wurde ein Frieden mit allen „Staaten“ dieser Region. Die 1964 gegründete palästinensische Nationalbewegung (PLO) wurde damals noch nicht wahrgenommen, zumal sie forderte, einen Staat anstelle von Israel zu gründen, nicht aber im Westjordanland und im Gazasteifen. Erst 1968 erhoben die Palästinenser unter Jassir Arafat Ansprüche auf die besetzten Gebiete und zusätzlich auf Israel.
Das Quartett erwähnt auch die Friedenskonferenz von 1991 in Madrid „inklusive das Prinzip Land für Frieden“. Dieses Prinzip klingt schön und einfach. Doch seit 1991 passierte immer wieder genau das Gegenteil. Israel zog sich aus den palästinensischen Städten zurück, in denen die dafür gegründete palästinensische Autonomiebehörde die Kontrolle übernahm. Das verhinderte nicht den bislang blutigsten Krieg, den Israels Zivilisten seit 1948 durchstehen mussten: die El Aksa Intifada. Im Jahr 2000 zog sich Israel aus dem Südlibanon zurück, was die Lunte für den „zweiten Libanonkrieg“ vom Sommer 2006 legte. Im August 2005 räumte Israel den gesamten Gazastreifen mitsamt Siedlungen und Stützpunkten. Anstelle von Frieden erntete Israel für das geräumte Land über 8000 von der Hamas abgeschossene Raketen. „Land für Frieden“ wird nur als Druckmittel gegen Israel verwendet, nicht aber als Forderung an die arabische Seite.
Das Quartett sieht in einem „Ende der Okkupation, die 1967 begann“ und in der Errichtung von „zwei Staaten für zwei Völker“ die „einzige lebensfähige Lösung“. Die künftigen Grenzen werden nicht erwähnt. Wenn es aber um ein „Ende der Okkupation“ geht, bleibt nicht viel Spielraum. Auch Ostjerusalem gilt als „okkupiert“. Nach Ansicht des Quartetts soll Israel mutmaßlich auch auf die Klagemauer verzichten.
Nicht erwähnt ist die Tatsache, dass alle am Quartett beteiligten Staaten, inklusive USA, auch Westjerusalem als widerrechtlich von Israel okkupiert betrachten. Deshalb stehen ihre Botschaften in Tel Aviv. Da richten sich die Quartettstaaten nämlich nach der UNO-Resolution von 1947, dem Teilungsplan, den die arabischen Staaten ablehnten, der gleichwohl die Errichtung des Staates Israel legitimierte. Diese Resolution sah eine Internationalisierung Jerusalems vor. Wer jedoch den Palästinensern das Recht zugesteht, Ost-Jerusalem zur Hauptstadt ihres künftigen Staates zu deklarieren, Israel aber Rechte auf West-Jerusalem verweigert, setzt einen doppelten Maßstab.
Das Quartett ignoriert die Netanjahus Forderung nach einer Anerkennung Israels als „Staat des jüdischen Volkes“. In der Erklärung ist jedoch die Rede von „zwei Staaten für zwei Völker“. Es wird erwähnt, dass das „palästinensische Volk“ sein „eigenes Schicksal in Gaza und im Westjordanland“ bestimmen solle. Wie aber das Volk im Staat Israel heißt, kann man nur erraten. Jenem ungenannten Volk wird auch kein Selbstbestimmungsrecht eingeräumt.
Implizit hält das Quartett an seinem Boykott der Hamas-Organisation fest, indem die drei bekannten Bedingungen wiederholt werden: Anerkennung Israels, Gewaltverzicht und Akzeptanz bestehender Verträge. Gleichwohl wird Israel aufgefordert, seinen Boykott aufzuheben und sogar Baumaterial durchzulassen. Das verweigerte Israel, um der Hamas nicht beim Bau von Stellungen und Tunnels für Waffenschmuggel zu helfen, nachdem die radikal-islamische Organisation dutzende, von arabischen Staaten gespendete, Ambulanzen geplündert hat und jetzt als Militärfahrzeuge einsetzt.
Während die meisten anderen Details der Roadmap (Straßenkarte zur Zweistaatenlösung) und anderen Friedensaufrufen entnommen sind, wird Israel zu einem Bruch rechtsstaatlicher Normen aufgerufen. Israel solle sich „provokativer Aktionen in Ost-Jerusalem enthalten, inklusive Häuserzerstörungen und Räumungen“. Grundsätzlich werden in Ostjerusalem Häuser nur mit richterlichem Befehl abgerissen, weil sie ohne Baugenehmigung errichtet wurden. Die internationale Gemeinschaft verpasst letztlich den Palästinensern in Ostjerusalem einen Freibrief für wildes Bauen. Auch wenn Israel politische Absichten vorgeworfen werden können, stehen denen ebenso politische „Provokationen“ der Palästinenser gegenüber, indem nicht nur die Landschaft durch wildes Bauen planlos verschandelt wird, sondern sogar Altertümer des Welterbes bewusst zerstört oder zugebaut werden.

Originaltext der gemeinsamen Erklärung:
The Quartet – U.N. Secretary General Ban Ki-moon, Russian Foreign Minister Sergei Lavrov, High Representative for Common Foreign and Security Policy of the European Union Javier Solana, European Commissioner for External Relations Benita Ferrero-Waldner, Czech Foreign Minister Jan Kohout, U.S Under Secretary of State William Burns, and U.S. Special Envoy for Middle East Peace George Mitchell – met in Trieste on June 26, 2009. They were joined by Quartet Representative Tony Blair.
The Quartet affirmed its determination to actively and vigorously seek a comprehensive resolution of the Arab-Israeli conflict, on the basis of UN Security Council Resolutions 242, 338, 1397, 1515, 1850, the Madrid principles including land for peace, the Roadmap, and the agreements previously reached between the parties. The Quartet underscored that the only viable solution to the Israeli-Palestinian conflict is one that ends the occupation that began in 1967 and fulfils the aspirations of both parties for independent homelands through two states for two peoples, Israel and an independent, contiguous, and viable state of Palestine, living side by side in peace and security.  The Quartet welcomed the commitment of Prime Minister Netanyahu and President Abbas to the two-state solution, and reiterated that lasting peace throughout the region can only be based on an enduring commitment to mutual recognition, freedom from violence, incitement, and terror; and the two-state solution, building upon previous agreements and obligations. The Quartet underscored the importance of fostering peaceful coexistence throughout the region through the conclusion of peace agreements between Israel and Syria and Israel and Lebanon, in a manner that is mutually reinforcing with efforts to establish the state of Palestine, and through the full normalization of relations between all states based on the Arab Peace Initiative.
The U.S. briefed the Quartet on its intensive, ongoing discussions with all parties in the region to create the conditions for the prompt resumption and early conclusion of negotiations to resolve all permanent status issues, without preconditions.  The Quartet affirmed that these negotiations must result in an end to all claims.  It agreed that Arab-Israeli peace and the establishment of a state of Palestine in the West Bank and Gaza in which the Palestinian people can determine their own destiny is in the fundamental interests of the international community.  The Quartet called on all parties concerned to take meaningful steps to support this objective.
In that context, the Quartet called on Israel and the Palestinians to implement their obligations under the Roadmap and affirmed that unilateral actions taken by either party cannot prejudge the outcome of negotiations and will not be recognized by the international community. The Quartet urged the government of Israel to freeze all settlement activity, including natural growth; to dismantle outposts erected since March 2001; and to refrain from provocative actions in East Jerusalem, including home demolition and evictions. The Quartet acknowledged progress made by the Palestinian Authority to reform the Palestinian security sector and called on the Palestinian Authority to continue to make every effort to improve law and order and to fight violent extremism. It encouraged further Israeli cooperation for the success of Palestinian security reform. It also urged the Palestinian government to enhance its efforts to build the institutions of the future Palestinian state. Both sides have to stop incitement and violence against civilians. Taking note of the June 24 meeting of the Arab League ministers and underscoring its commitment to comprehensive peace on all tracks, the Quartet expressed support for dialogue among all states in the region in the spirit of the Arab Peace Initiative and called on Arab states to take steps to recognize Israel’s rightful place in the region; to affirm that violence cannot achieve regional peace and security; and to assist the Palestinian people in building their future state through consistent support for the Palestinian Authority.
Noting the detrimental effect of Palestinian divisions and underscoring its desire for these divisions to be overcome, the Quartet called on all Palestinians to commit themselves to non-violence, recognition of Israel, and acceptance of previous agreements and obligations. Restoring Palestinian unity based on the Palestine Liberation Organization (PLO) commitments would be an important factor in this process, while facilitating reconstruction of Gaza and the organisation of elections.  The Quartet expressed support, on this basis, for the ongoing mediation efforts of Egypt and the Arab League for Palestinian reconciliation behind President Mahmoud Abbas and appealed to all states in the region to play a constructive role in supporting the reconciliation process.
The Quartet discussed Gaza and agreed that the current situation is unsustainable and not in the interests of any of those concerned.  The Quartet expressed serious concern at the humanitarian and human rights situation of the civilian population. It reiterated the urgency of reaching a durable solution through the implementation of UN Security Council Resolution 1860.  The Quartet called for the unimpeded provision and distribution throughout Gaza of humanitarian assistance, including food, fuel, and medical treatment. The Quartet called for a complete halt to all violence, as well as an intensification of efforts to prevent illicit trafficking in arms and ammunition into Gaza and for a sustained reopening of all crossings points to ensure regular flow of people and humanitarian and commercial goods.  The Quartet offered its support in this regard for the proposals of the United Nations to resume early recovery construction activities in Gaza.  The Quartet called on those holding the abducted Israeli soldier Gilad Shalit to release him without delay.
The Quartet welcomed plans by the government of Israel to promote Palestinian economic development. The Quartet declared its readiness to work closely with Israel, the Palestinian government and international donors in order to achieve sustainable economic development on the basis of the full implementation of the Agreement on Access and Movement of 2005 and in the broader perspective of the two-state solution. Recalling the recent meeting of the Ad Hoc Liaison Committee (AHLC), the Quartet called for robust and sustained financial support for the Palestinian Authority. The Quartet welcomed recent steps by Israel, which if expanded and sustained, can have a significant impact on Palestinian freedom of movement. The Quartet recognizes that Israel has legitimate security concerns that must continue to be safeguarded, and believes efforts to maintain security while enabling movement and access for Palestinian people and goods are critical. Noting that delivering transformative change on the ground should form an integral and essential part of the agenda for peace, the Quartet encouraged cooperation of the parties with the Quartet Representative in order to deliver such change and in particular to improve the movement of goods and people in the West Bank and Gaza, concurrently with security and broader rule of law efforts.
The Quartet expressed its determination to support the parties and regional and international partners to successfully pursue negotiations and to implement agreements, on all tracks of the process. The Quartet tasked the envoys to meet regularly and actively follow-up with the parties to promote implementation of Quartet positions and formulate recommendations for Quartet action.
The Quartet re-affirmed its previous statements and supports, in consultation with the parties, an international conference in Moscow in 2009.

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